Selfcare ist keine To-do-Liste – Warum wir aufhören dürfen, uns selbst zu optimieren

Last Updated on 09.02.26 by Andrea Forsthuber

Dieser Artikel ist mein Betrag zur Blogparade von Rani Gindl: Was ist Selfcare für dich?

Selfcare, Selbstfürsorge, Selbstpflege.

Ein Wort, das in den letzten Jahren überall aufgetaucht ist. In Magazinen, auf Instagram, in Ratgebern. Aber was bedeutet es eigentlich?

Im Kern geht es um etwas ganz Einfaches: darum, gut für sich selbst zu sorgen.

Nicht nur körperlich – mit Essen, Schlaf und Bewegung. Sondern auch emotional, mental und seelisch. Es geht darum, auf unsere Bedürfnisse zu achten, bevor wir erschöpft zusammenbrechen. Es geht darum, uns selbst mit derselben Fürsorge zu behandeln, die wir anderen so selbstverständlich geben.

Warum brauchen wir das? Weil wir – gerade wir Frauen über 40 – oft jahrzehntelang gelernt haben, dass andere wichtiger sind als wir selbst. Dass wir erst dann an uns denken dürfen, wenn alle anderen versorgt sind. Dass unsere Bedürfnisse warten können.

Aber der Körper wartet nicht ewig. Irgendwann meldet er sich durch Erschöpfung, durch Krankheit, durch emotionales Essen, durch innere Leere. Selfcare ist kein Luxus. Sie ist Überlebensnotwendigkeit.

Soweit die Theorie.

Was bedeutet Selfcare für dich – jenseits von To-do-Listen?

Wenn Selfcare zum Stress wird

Wir Frauen über 40 kennen das doch alle: Wir denken zuerst an andere. An die Familie, an die Arbeit, an die Eltern, an die Freundin, die gerade eine schwere Zeit durchmacht. Und irgendwann, meist wenn der Körper schon längst „Stopp“ schreit, erinnern wir uns: „Ach ja, ich müsste auch mal was für mich tun.“

Selfcare Stress

Dann googeln wir „Selfcare-Ideen“, sehen Bilder von Frauen in weißen Bademänteln mit Gurkenscheiben auf den Augen oder lesen von aufwendigen Morgenroutinen, die um 5 Uhr beginnen. Und denken: „Das schaffe ich nie. Ich bin wohl einfach nicht gut genug in Selfcare.“

Aber was, wenn genau, dass der Denkfehler ist?

Mein eigenes Scheitern an der „perfekten“ Selfcare

Ich möchte ehrlich mit dir sein: Ich bin selbst schon so oft an Selfcare gescheitert.

Da ist zum Beispiel die Sache mit der Bewegung. Ich weiß, wie gut mir Wandern und Radfahren tun. Ich liebe es, in der Natur zu sein, die frische Luft, das Gefühl danach. Und trotzdem schaffe ich es immer wieder nicht, mir die Zeit dafür zu nehmen.

Es gibt immer etwas Wichtigeres: Eine Kundin braucht noch einen Termin, die Unterlagen für die Hypnose-Ausbildung müssen fertig werden, ein Blogartikel will geschrieben sein. Und plötzlich sind Wochen vergangen, in denen ich kaum vor die Tür gekommen bin. Dann ärgere ich mich über mich selbst: „Du weißt doch, dass du das brauchst!“

Noch schlimmer ist es mit dem Schlaf. Ich weiß genau, dass ich mindestens sieben Stunden brauche, um gut zu funktionieren. Aber dann sitze ich abends noch am Computer, „nur noch schnell“ diese eine E-Mail, dieser eine Text, diese eine Idee umsetzen. Und plötzlich ist es Mitternacht, und am nächsten Morgen fühle ich mich wie gerädert.

Jedes Mal dasselbe Muster: Aus etwas, das mir eigentlich guttun würde, wird ein weiteres „Ich sollte aber …“ in meinem Kopf.

Die Bewegung, die mir Energie geben würde. Der Schlaf, der mich regenerieren würde. Ich weiß es. Und trotzdem schiebe ich es auf – für die Arbeit, für andere, für vermeintlich Wichtigeres.

Und dann kommt der Moment, wo der Körper nicht mehr mitmacht. Wo ich merke: So geht es nicht weiter.

Meine Erkenntnis: Selfcare beginnt im Denken

In meiner Arbeit mit Frauen, die mit emotionalem Essen kämpfen, sehe ich täglich, was passiert, wenn wir vergessen, für uns zu sorgen. Nicht im Instagram-Sinne, sondern im tiefsten, grundlegendsten Sinne.

Emotionales Essen ist oft ein verzweifelter Versuch von Selfcare. Der Körper schreit: „Ich brauche etwas! Ich bin leer, erschöpft, überfordert!“ Und weil wir gelernt haben, dass unsere Bedürfnisse nicht so wichtig sind, dass wir „funktionieren“ müssen, greifen wir zu dem, was schnell verfügbar ist: Essen.

Selfcare, Zeit für mich

Nicht, weil wir hungrig sind. Sondern weil wir nach Trost suchen, nach Pause, nach einem Moment, in dem niemand etwas von uns will.

Das ist keine Schwäche. Das ist ein Hilferuf.

Und dann kommen wir und machen daraus – ein weiteres Problem, das gelöst werden muss. Ein weiteres „Ich sollte mich mehr um mich kümmern, dann würde ich nicht so viel essen.“

Merkst du die Ironie?

Bei Selfcare geht es nicht um das Was, sondern um das Wie

Wenn du dir aus diesem Artikel nur einen Gedanken merkst, dann diesen: Selfcare ist keine To-Do, sondern eine Beziehung zu dir selbst. Was ich in meiner eigenen Reise und in der Arbeit mit hunderten von Frauen gelernt habe: Selfcare ist keine Aktivität, Selfcare ist eine Grundhaltung.

Es geht nicht darum, was wir tun. Es geht darum, wie wir mit uns selbst umgehen.

In meiner Arbeit spreche ich oft von „Veränderung durch Verbindung statt Kontrolle“. Das gilt auch für Selfcare. Es geht nicht darum, uns selbst zu kontrollieren, zu optimieren, zu einem besseren Modell von uns zu machen.

Es geht darum, wieder eine liebevolle Verbindung zu uns selbst aufzubauen.

Und das kann so unterschiedlich aussehen:

  • Für mich ist es manchmal einfach, „Nein“ zu sagen. Ohne Erklärung, ohne schlechtes Gewissen. Einfach: „Nein, das passt mir nicht.“
  • Für eine meiner Klientinnen ist es, sich beim Essen keine Vorwürfe zu machen, sondern neugierig zu fragen: „Was brauchst du gerade wirklich?“
  • Für eine andere ist es, die perfekte Morgenroutine aufzugeben und stattdessen im Bett noch fünf Minuten zu liegen und einfach nur zu atmen.

Keine dieser Dinge kostet Geld, keine braucht einen weißen Bademantel, keine macht ein hübsches Instagram-Foto.

Wenn Selfcare scheitert und was das uns lehrt

Ich glaube, jedes „Scheitern“ an Selfcare hat uns etwas zu sagen.

Wenn die Morgenroutine nach drei Tagen nicht mehr klappt, vielleicht passt sie einfach nicht zu unserem Leben?

Wenn wir beim Wellness-Abend unruhig werden, vielleicht brauchen wir gerade keine Ruhe, sondern Bewegung?

Wenn das Journaling sich wie Hausaufgaben anfühlt, vielleicht ist Schreiben einfach nicht unser Ding?

Das Problem ist nicht unser Scheitern. Das Problem ist, dass wir glauben, es gäbe eine richtige Art von Selfcare.

In meiner Hypnose-Arbeit geht es oft darum, wieder auf die eigene innere Stimme zu hören. Auf das, was der Körper wirklich braucht, nicht auf das, was Pinterest uns sagt, dass wir brauchen sollten.

Und diese innere Stimme sagt manchmal überraschende Dinge:

  • Ich brauche gerade kein Bad, ich brauche einen Spaziergang im Regen.
  • Ich brauche keine Meditation, ich brauche ein gutes Gespräch.
  • Ich brauche keine gesunde Mahlzeit, ich brauche die Erlaubnis, heute Pizza zu bestellen und nicht zu kochen.

Selfcare für Frauen, die immer zuerst an andere denken

Hier ist die unbequeme Wahrheit: Für viele von uns Frauen über 40 ist die radikalste Form von Selfcare nicht ein Spa-Tag.

Es ist, uns selbst genauso wichtig zu nehmen wie andere.

Es ist, unsere Bedürfnisse nicht kleinzureden mit „Ach, ist nicht so schlimm.“

Es ist, nicht zu warten, bis wir vollkommen erschöpft sind, bevor wir uns erlauben, uns auszuruhen.

Es ist, uns nicht für jeden Bissen, jedes Gefühl, jeden „Fehler“ zu verurteilen.

Das ist harte Arbeit. Viel härter als eine Morgenroutine einzuhalten. Weil es bedeutet, jahrzehntelange Muster zu hinterfragen:

  • Die anderen sind wichtiger als ich.
  • Ich muss erst alles erledigt haben, bevor ich mir etwas gönne.
  • Ich muss es allen recht machen.
  • Wenn ich auf mich achte, bin ich egoistisch.

Diese Gedanken loszulassen – das ist Selfcare-Arbeit und sie beginnt in unserem Kopf, in unserem Denken, lange bevor sie sich in Handlungen zeigt.

Was ich neu lernen will

Ich bin 57 Jahre alt und ich lerne immer noch, dass Selfcare keine Leistung ist.

Mein größter Gegner dabei? Mein Perfektionismus.

Die Unterlagen für die Hypnose-Ausbildung müssen perfekt sein. Jedes Detail muss stimmen, jede Formulierung sitzen. Das Foto für den Instagram-Post? Es muss genau das richtige Licht haben, die richtige Stimmung transportieren. Der Blogartikel? Noch einmal überarbeiten, noch eine Formulierung verbessern, noch …

Und während ich an dieser Perfektion feile, vergeht die Zeit. Stunden. Tage manchmal. Zeit, die ich nicht für einen Spaziergang nutze. Zeit, in der ich nicht schlafe, weil ich „nur noch schnell“ diese eine Sache fertig machen will.

Der Ironie bin ich mir bewusst: Ich verbringe so viel Zeit damit, Dinge perfekt zu machen und vergesse dabei, auf mich selbst zu achten.

Ich predige meinen Klientinnen, dass es okay ist, unperfekt zu sein. Dass „gut genug“ wirklich gut genug ist. Dass Selbstmitgefühl wichtiger ist als Perfektion.

Und dann sitze ich selbst da und überarbeite zum zehnten Mal eine E-Mail, weil sie noch nicht perfekt klingt.

Was ich also wirklich besser machen will oder besser: Was ich täglich übe zu lernen, ist loszulassen. Die hohen Ansprüche an mich selbst runterzuschrauben. Zu akzeptieren, dass die Unterlagen nicht perfekt sein müssen, um wertvoll zu sein. Dass das Foto auch mit nicht perfektem Licht seine Geschichte erzählt.

 

Selfecare nicht immer einfach

Die größte Selfcare-Lektion für mich ist: Ich darf unperfekt sein. Auch in meiner Arbeit. Auch in meiner Selfcare.

Und vielleicht, nur vielleicht – ist das Wichtigste, was ich meinen Klientinnen mitgeben kann, nicht die perfekte Technik oder die perfekten Worte. Sondern das Vorbild einer Frau, die lernt, sich selbst Raum zu geben. Auch wenn noch nicht alles perfekt ist.

Mein Wunsch für uns alle

Ich wünsche uns, dass wir Selfcare wieder aus dem Konsum-Denken herausholen. Dass wir erkennen: Es geht nicht darum, was wir kaufen oder tun müssen.

Es geht darum, wie wir mit uns selbst in Beziehung treten.

Mit Freundlichkeit statt Strenge. Mit Neugier statt Vorwürfen. Mit Verbindung statt Kontrolle.

Und vielleicht, nur vielleicht – bedeutet deine Selfcare heute einfach nur, etwas „gut genug“ sein zu lassen statt perfekt. Die Unterlagen abzuschicken, auch wenn du sie noch dreimal überarbeiten könntest. Das Foto zu posten, auch wenn das Licht nicht ideal ist.

Oder dir zu erlauben, heute gar nichts zu produzieren. Einfach zu sein.

Das ist keine Faulheit. Das ist Liebe.

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Andrea Forsthuber psychosoziale Beratung

Andrea Forsthuber

Psychosoziale Beraterin,
Hypnotiseurin und
Dipl. Ernährungs- & Präventionscoach, Neurographiktrainerin.

Ich unterstütze Menschen dabei, ihre Ziele zu erreichen.

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