Einen Scheiß muss ich!

Last Updated on 01.08.26 by Andrea Forsthuber

Als ich Silkes Einladung zur Blogparade „Einen Scheiß muss ich!“ gelesen habe, musste ich schmunzeln. Denn dieser Satz hätte auch aus meiner Jugend stammen können.

Die Rebellin und der Pudding

Ich war als Jugendliche ein ziemlicher Rebell. Alles, was ich angeblich musste, hat in mir sofort den Widerstand geweckt. Ich hab die Dinge so gemacht, wie ich sie machen wollte – und an Gebrauchsanweisungen hab ich mich selten gehalten.

Mein Lieblingsbeispiel: Pudding kochen. Warum, bitte, soll ich erst einen Schluck Milch abnehmen, das Pulver dort einrühren und dann alles wieder zurückgießen? Ich hab das Pulver einfach gleich in die Milch geschüttet und gerührt. Dass es auf meine Art sogar länger dauert als in der Anleitung, war mir herzlich egal. Es ging nie ums Ergebnis. Es ging ums Prinzip: Ich lass mir nicht sagen, dass ich etwas muss.

Und dann hat sich doch ein „Muss“ eingeschlichen

So rebellisch ich nach außen war – ein „Muss“ hat sich bei mir jahrelang ganz leise festgesetzt: der Perfektionismus. Es musste perfekt sein. Hundert Prozent. Halbe Sachen gingen gar nicht.

Das war lange mein Thema, und es loszulassen war ein langer Weg. Heute ist mir meine Zeit oft wichtiger als die perfekte Ausführung. Das Pareto-Prinzip rettet mich immer wieder: 80 Prozent sind meistens völlig genug – und die restlichen 20 kosten Kraft, die ich lieber woanders investiere. Es trifft mich nur noch manchmal. Aber „es muss perfekt sein“? Einen Scheiß muss es.

Das größte „Muss“ von allen: abnehmen

In ihrer Einladung schreibt Silke einen Satz, bei dem ich innerlich sofort Ja gesagt habe: „Du musst nicht abnehmen, bevor du anfängst, dein Leben zu mögen.“

Genau darum dreht sich meine Arbeit – und deshalb kommt hier mein deutlichstes „Einen Scheiß muss ich“:

Du musst keine Diät machen. Wirklich nicht. So laut die Diätwelt auch das Gegenteil behauptet.

Statt der nächsten Diät hinterherzulaufen, lohnt sich etwas ganz anderes: sich mit dem eigenen Körper auseinanderzusetzen. Was braucht er wirklich? Wie funktioniert er? Was tut ihm gut und was nicht? Jeder Mensch darf seine eigene Ernährung finden – eine, die ihm wirklich guttut, nicht die, die gerade vorgeschrieben wird.

Das ist kein neues Regelwerk und keine strengere Kontrolle. Es ist das Gegenteil: Verbindung statt Kontrolle. Und es beginnt nicht damit, dass du erst dünner wirst, bevor du dich mögen darfst. Es beginnt jetzt.

Was ich heute bewusst nicht mehr muss

Seit ich dem Müssen die Macht genommen habe, ist einiges leichter geworden. Ein paar Dinge, die ich ganz bewusst nicht mehr tue:

  • Ich muss nicht sofort auf jede Nachricht antworten.
  • Ich muss nicht zu allem Ja sagen. Denn ein Nein zu anderen ist ein Ja zu mir selbst.
  • Ich muss nicht erst bis an meine Grenze gehen und dann reparieren. Ich baue lieber vorher Pausen ein.
  • Ich muss nicht alles perfekt machen.

Nichts davon ist Bequemlichkeit. Es ist Fürsorge – für mich selbst und, ganz nebenbei, auch für alle, für die ich da sein möchte. Denn aus einem halb leeren Glas kann ich nicht ewig ausschenken.

Also, was muss ich?

Wenn ich ehrlich bin: erstaunlich wenig. Das meiste, was sich wie ein „Muss“ anfühlt, ist in Wahrheit eine alte Gewohnheit, eine Erwartung oder eine Angst, die ich mir irgendwann übergestülpt habe. Die rebellische Jugendliche von damals hatte in einem Punkt recht: Vieles muss man einfach nicht.

Und du? Welchen „Scheiß“ musst du eigentlich gar nicht – auch wenn du es dir jahrelang eingeredet hast? Vielleicht ist es genau der richtige Moment, mal ehrlich hinzuschauen. Wenn du magst, schreib mir gern in den Kommentaren, welcher „Scheiß“ dir als Erstes eingefallen ist.

Andrea Forsthuber psychosoziale Beratung

Andrea Forsthuber

Psychosoziale Beraterin,
Hypnotiseurin und
Dipl. Ernährungs- & Präventionscoach, Neurographiktrainerin.

Ich unterstütze Menschen dabei, ihre Ziele zu erreichen.

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WER SCHREIBT HIER?

Hallo, ich bin Andrea Forsthuber. Ich glaube daran, dass in jedem Menschen etwas Wunderbares und Einzigartiges angelegt ist – auch dann, wenn es unter Stress, Selbstzweifeln oder alten Mustern kaum spürbar ist.

Als psychosoziale Beraterin, Hypnose-Coach und neurokreative Wegbegleiterin begleite ich Menschen dabei, sich selbst besser zu verstehen, freundlicher mit sich zu werden und den eigenen Weg mit mehr Leichtigkeit zu gehen.

2 Kommentare

  1. Liebe Andrea,

    vielen Dank für deinen erfrischenden und rebellischen Artikel als Beitrag zu meiner Blogparade, das erfreut mich!

    Hahaha, lieber komplizierter und länger am Pudding herumrühren als die unlogische Hin- und Her-Gießerei des angerührten Pulvers, bei dem man unnötig kleckert, nicht wahr?

    Ich freue mich, wenn ich mit dem Abnehm-Satz dein Thema so gut getroffen habe; der beruhigt mich selbst auch sehr.

    Von deinen Punkten mag ich besonders gern das An-die-Grenze-gehen und anschließend reparieren. Ohne dich! Einen Scheiß musst du!

    Danke für deine Ehrlichkeit und danke fürs Mitmachen.
    Ganz liebe Grüße aus Hamburg
    Silke

    Antworten
    • Liebe Silke,
      jetzt muss ich schmunzeln – ganz genau: lieber ein bisschen länger rühren als diese unlogische Hin-und-Her-Gießerei!

      Über deine Zeilen habe ich mich riesig gefreut – „einen Scheiß muss ich“ wird da wohl mein neues Mantra.

      Danke für diese herrlich befreiende Blogparade und deinen lieben Kommentar – das Mitmachen hat wirklich Spaß gemacht!

      Ganz liebe Grüße zurück nach Hamburg, Andrea

      Antworten

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